gesammelte Erinnerungen - Dr. Albrecht Kadauke - private Webseite

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gesammelte Erinnerungen

Nachdem ich die Klassenkameraden vom Tod unseres Herrn Gölz informiert hatte, kamen eine ganze Reihe Erinnerungen an ihn zurück. Deshalb habe ich sie hier gesammelt und der Klasse zur Verfügung gestellt:

- Er war ein sehr angenehmer Lehrer, schwebte allerdings oft in höheren,  in philosophischen Sphären. Dabei hatte er einen leichten Sprachfehler, bei dem das "s" sich ein bißchen wie "sch" anhörte. Den Satz von ihm: "Sokrates sagte: ich weiß, daß ich nichts weiß" werde ich auch deshalb nie vergessen.

- Zinseszinsrechnung bei Herrn Gölz. Wir merkten, das war nicht sein  Gebiet, denn seine Präsentation des Stoffes war sehr verwirrend und für viele unverständlich. Als er dann eine Klassenarbeit ankündigte, gab es einen  einheitlichen Aufschrei: niemand hatte die Zinseszinsrechnung  verstanden! Deshalb gab es dann nochmal eine zusammenfassende Stunde vor  der Klassenarbeit. Die Erklärungen hörten sich jetzt etwas konsistenter an, aber trotzdem... Als Herr Gölz zum Schluß fragte: "So, haben das jetzt alle verstanden?" gab es zu seiner Überraschung ein großes Kopfschütteln unter uns Schülern.
Darauf er wieder: "Das ist aber komisch, ICH habe das jetzt nämlich verstanden!"

- Peter Kaudewitz aus München, war bis zur Quinta am UG: Selbst nach Jahrzehnten im bayerischen Exil kann ich mich noch gut an Herrn Prof Gölz als  einen etwas mehr durchgeistigten Lehrer erinnern, besonders an das  leicht gelispelte "das is nicht sinnvoll" wenn jemand von uns sich mal  wieder auf abartige Lösungswege verirrt hatte. Dieser Kommentar war  später auch in vielen anderen Lebenslagen sehr angebracht und ist mir deshalb geradezu zum geflügelten Wort geworden.

- Eure Charakterisierung seiner pädagogischen Skills kann ich nur bestätigen😃dennoch empfand ich ihn als einen empathischen, feinsinnigen  Lehrer. Ein echter „Typ“!😉

-Wenn er keine Lust mehr auf Unterricht hatte, nahm er in jede Hand eine Kreide
und zeichnete beidhändig symmetrisch einen Elefanten an die Tafel. Ich
war immer fasziniert davon, auch von den Portraits, die er von einigen
von uns anfertigte.

Solche Porträts wurden an die Tafel gemalt und existierten somit nur sehr kurze Zeit.

Umso dankbarer bin ich, daß Heribert Mackert, Abiturjahrgang 1969 (?) uns diese Bleistiftzeichnung der Nackarfront von Herrn Gölz zur Verfügung gestellt hat:



-  in der 3. (heute 7.) Klasse hatten wir Herrn Gölz als Klassen- und  Mathelehrer. Ein Schüler wollte schnell seinen Spickzettel verschwinden  lassen. Herr Gölz bemerkte das nicht genau und fragte: "Was machst Du  da?" Antwort: "Nichts". Darauf wurde die Mathestunde für ca 20 Minuten  durch einen philosophischen Vortrag über "das Nichts als solches an sich" unterbrochen. Hat wahrscheinlich niemand verstanden, hat sich aber  hochinteressant angehört.

-Mathe bei Gölz: oft hatte Herr Gölz anderes im Sinn als regulären Unterricht, was uns natürlich entgegenkam: Ich erinnere mich daran, dass er ein hervorragender Zeichner war. Einmal hat er das Porträt eines Schülers mit Kreide an die Tafel gezeichnet. Es war hervorragend.

- So war er auch im Unterricht mit anderem als dem Unterrichtsstoff beschäftigt, so dass es manchmal zu Missverständnissen kam: Darauf angesprochen antwortete Gölz: "Ich denke a, meine b, sage c und schreibe d." Charmanter kann man die eigene Zerstreutheit kaum ausdrücken.

- Mich hat er vor allen Dingen durch seine Mitmenschlichkeit und seine feinsinnige Art beeindruckt.

- Heinrich Zeeden schrieb: Wir hatten ihn zu unseren im fünf Jahresabstand stattfindenden Klassentreffen eingeladen.
Er war vital wie immer, und natürlich ein verschmitztes Lächeln kündigte an, dass er einen vielleicht auf das philosophische Glatteis führen könnte. So fragte er mich, da er wusste, dass ich mich mit dem tibetischen Buddhismus 7 Jahre lang intensiv beschäftigt hatte, etwas über den Begriff der Leerheit oder etwas anderes, das philosophisch nicht so leicht zu durchdringen war.
Es war faszinierend, einerseits wusste er genau, wen er mit welchem Thema ansprechen konnte, und zum anderen waren seine Gedankengänge feinsinnig und meistens aktuell nachvollziehbar, aber eben nicht reproduzierbar.

letzte Aktualisierung: 23.02.2024
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